Einmaliges Angebot für Dirigenten im Laienmusikbereich vokal und instrumental
07.03.2011Karl Heinz Bloemeke war langjähriger Chefdirigent des Folkwang Kammerorchesters in Essen und ständiger Dirigent des Sinfonieorchesters Berlin. Regelmäßig arbeitet er mit der Nordwestdeutschen Philharmonie und dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim und hat eine Professur im Fach "Dirigieren" an der Hochschule für Musik Detmold inne. Ebenso regelmäßig widmet er sich der Ausbildung von Laiendirigenten.
Im Auftrag des Bayerischen Musikrats gelingt dies schon seit mehreren Jahren und immer wieder ist es für Karl Heinz Bloemeke spannend, weil laut seiner Erfahrung „die Menschen immer total anders sind“. Der nächste Kurs Orchesterleitung des Bayerischen Musikrats startet im September 2011. Interessenten können sich noch bis zum 1. August 2011 zur Teilnahme bewerben. Was erwartet den Einzelnen bei diesem Kurs, was wird vom Einzelnen gefordert? Christiane Franke sprach mit Karl Heinz Bloemeke über Anforderungen und Inhalte dieser Fortbildung.
Herr Prof. Bloemeke, wie wichtig ist ein solcher Dirigierkurs für Laien?
Bloemeke: Das ist auf zwei Seiten sehr wichtig. Wir erreichen hier Musiker, die die Ensembleleitung nicht als volle Ausbildung genossen haben. Deshalb ist es wichtig, zum einen grundsätzliche dirigentische Dinge zu hinterfragen und soweit das geht zu üben, damit die Teilnehmer nach dem Kurs handwerklich von der Materie her betrachtet über ein größeres Knowhow verfügen. Der zweite Schwerpunkt zielt darauf, sich mit bestimmten Musikrichtungen und den damit verbundenen Überlegungen, wie gebe ich das an mein Ensemble weiter, auseinandersetzen.
Der Kurs setzt sich aus 3 Phasen zusammen. Wie ist er inhaltlich aufgebaut?
Bloemeke: Im ersten Kurs arbeiten wir nur mit Korrepetition. Denn hier steht das Nachdenken über elementare Dinge und das Tun des Dirigenten im Vordergrund. Im zweiten Kurs steht ein Streichquartett oder ein kleines Ensemble zur Verfügung, sodass wir konzentriert kleine Beispiele auf den lebendigen Organismus übertragen können. Im Kurs drei stehen die Teilnehmer dann vor den Hofer Symphonikern. Bei diesem professionellen Ensemble, das quasi grundsätzlich von alleine spielen kann, kann man dann sehr deutlich spüren, was die Dirigenten wirklich klanglich-musikalisch bewegen, wenn sie vor einem Ensemble stehen.“
Das klingt alles nach sehr hohen Anforderungen. Was muss der einzelne Teilnehmer tatsächlich mitbringen, wenn er sich hier schulen lassen will?
Bloemeke: Es ist eine Fortbildung. Wir fangen also nicht bei Null an. Er muss im Prinzip einen eigenen musikalischen Status mitbringen, als Instrumentalist oder als Ensembleleiter eine musikalische Grundausbildung haben, die Grundzüge des Dirigierens beherrschen und eine wie immer auch geartete Erfahrung im Umgang mit Ensembles, mit Menschen haben.
Im Vordergrund dieser Fortbildung steht das Instrumentalensemble. Sind Chorleiter dann hier fehl am Platz?
Bloemeke: „Keinesfalls! Chorleitung ist zwar etwas anders gelagert als Orchesterleitung, aber die Zielsetzung ist die gleiche, wenn man mit einem großen Ensemble arbeitet. Außerdem stehen Chorleiter im kirchenmusikalischen Bereich wie in der Schule oft genug vor einem Chor- und Instrumentalensemble. Daher ist diese Fortbildung für Chorleiter eine ganz wichtige und gute Ergänzung, sich einmal konzentriert mit der anderen Seite zu beschäftige.
Hatte Sie bei Ihren Laienmusikkursen schon einmal so etwas wie ein Schlüsselerlebnisse?
Bloemeke: Sagen wir so: Jeder Kurs ist immer ungeheuer spannend, da die Inhalte im Prinzip ähnlich sind, aber die Menschen immer total anders sind und man sie da abholen muss, wo sie stehen. „Ganz konkret hatte ich tatsächlich ein solches Erlebnis beim jüngsten Kurs in Hof. Da gab es einen Teilnehmer, der ein Tasteninstrument ganz intensiv studiert hatte, sich aber dirigiertechnisch auf einem ganz niedrigen Niveau bewegte. Allerdings war er von einem unheimlichen Drang geleitet, unbedingt ein Orchester dirigieren zu wollen. Als er schließlich vor den Hofer Symphonikern stand wurde spürbar, dass dieser Mensch eine musikalische Absicht hat – und plötzlich haben die Hofer Sinfoniker so gespielt wie sie es sonst nur mit einem Profidirgenten tun. Sie haben Klang umgesetzt, es kam alles zusammen und es klang viel besser als bei allen anderen, obwohl dieser Teilnehmer nie eine richtige Ausbildung hatte. Das war ein echtes inneres Erlebnis. Das haben aber alle gespürt – vom Orchester bis zum letzten Teilnehmer. Es kommt eben wirklich darauf an, dass man eine richtig gute musikalische Vorstellung von dem hat, was man will. Dann kann man das auch körperlich ausdrücken, selbst wenn man nicht viel Ausbildung hat.
Wenn Sie an die Teilnehmer des Kurses einen persönlichen Wunsch
richten könnten, wie würde er lauten?
Bloemeke: Das Wichtigste ist Offenheit, in so eine Veranstaltung zu gehen und nur die Ohren, die Augen, die Herzen aufzumachen und dann aber zuhause sehr intensiv mit den eigenen Vorstellungen und mit dem, was man da erlebt hat, dann zu arbeiten. Das ist das Erste und das Zweite, was ich mir wünsche: was man eigentlich immer feststellt: er passiert eigentlich erst etwas, wenn diese Menschen verstanden haben, dass sie sich sehr gut vorbereiten müssen. Dass sie einfach alles wissen müssen, was in der Partitur steht. Das fängt beim Kanon an und hört bei der Mahlersinfonie auf. Man muss wissen, was der Komponist geschrieben hat, was an Noten da ist und was ich damit machen will. Das ist das Schwierigste. Aber man merkt, wer gut vorbereitet kommt, kann vieles einfacher und direkter umsetzen.